„Acquihires“ – eine Deal-Struktur als Weg aus der Krise?

03.07.2020

Acquihires sind ein Trend aus der amerikanischen Startup und Venture Capital Szene, der angesichts der derzeitigen Krise auch in Deutschland an Bedeutung gewinnen wird. Ähnlich wie bei den zunehmend zu beobachtenden Pre-Seed Investment Strukturen stehen dabei die Gründer bzw. Schlüsselpersonen und deren persönliche Netzwerke im Vordergrund.

Welche Chancen bieten Acquihires?

Etablierte Unternehmen haben oft Schwierigkeiten, gute Mitarbeiter zu finden, um ihre Innovations- und Wachstumspläne voranzubringen. Startups wiederum tun sich in der derzeitigen Krise häufig schwer, geplante Umsätze nach dem Meilensteinplan zu erzielen und weitere Finanzierungsrunden zu sichern, um ihr Geschäftskonzept weiter umzusetzen oder gar eine Insolvenz zu vermeiden. Auch die Exit-Kanäle sind im derzeitigen Marktumfeld beschränkt.

Angesichts dieser Interessenlage bietet ein Acquihire für das Startup die Möglichkeit, einen erfolgreichen Exit zu strukturieren, und für den Erwerber die Chance, ein eingearbeitetes Team zu gewinnen, welches er über einen langen Zeitraum aufbauen müsste. Die Investoren der Zielgesellschaft wiederum können durch diese Deal-Struktur eine Nachfinanzierung oder gar Abwicklung der Zielgesellschaft vermeiden und stattdessen jedenfalls einen Exit an ein etabliertes Erwerberunternehmen vermelden und die weitere Bindung von Kapital vermeiden. Ein mögliches Scheitern des Startups kann so in eine Erfolgsstory mit Vorteilen für alle Beteiligten gewandelt werden.

Anders als bei üblichen Exit-Strukturen stehen bei einem Acquihire weniger das Geschäftskonzept und die bereits entwickelten Assets des Startups im Vordergrund, als vielmehr dessen Gründer und ihr Team. Auch die Kaufpreisfindung basiert regelmäßig weniger auf der Bewertung des Geschäftskonzeptes als vielmehr auf dem Wert, den das Team für den Erwerber hat.

Voraussetzung eines Acquihires ist ein Zusammenwirken aller beteiligten Stakeholder.

Rechtliche und praktische Besonderheiten von Acquihires

Acquihires müssen sorgfältig strukturiert und geplant werden. Die folgende Checkliste gibt Ihnen einen ersten Überblick über die wichtigsten Fragestellungen:

  • Soll das Team im Wege eines Asset Deals oder Share Deals übergehen?
  • Welche Regelungen zur Deal-Struktur und zum Ablauf der Transaktion sollen bereits im Letter of Intent geregelt werden (z.B. Vertraulichkeit, Transaktionsablauf, Wettbewerbs- und Abwerbeverbot)?
  • Welches sind die entscheidenden Köpfe und wie können diese ausgewählt und davon überzeugt werden, bei der Transaktion mitzuwirken?
  • Welche Risiken eines Betriebsübergangs (§ 613a BGB) bestehen, wenn nicht alle Mitarbeiter übergehen sollen und wie kann die Transaktion zu Vermeidung dieser Risiken strukturiert werden?
  • Wie wird die Due Diligence auf die deal-relevanten Themen fokussiert?
  • Welche weiteren Assets sollen erworben werden und welche Risiken birgt dies in Bezug auf § 613a BGB?
  • Wie kann eine angemessene Bewertung zur Kaufpreisbildung gefunden werden?
  • Wie werden die Gründer und ggf. weitere beteiligte Mitarbeiter am Kaufpreis beteiligt (Unterschiede beim Share Deal und Asset Deal)?
  • Welche steuerlichen Besonderheiten bestehen für die Beteiligten?
  • Zu welchen Bedingungen und unter welchen Arbeitsverträgen werden die Gründer und Teammitglieder vom Erwerber übernommen?
  • Wie werden die Incentive und Retention Schemes für das übernommenen Team beim Erwerber gestaltet?
  • Wie können die Investoren von der Lösung überzeugt werden und an einem „Upside“ der Transaktion auch in dieser Struktur beteiligt werden?
  • Wie kann vermieden werden, dass die Übernahme gegen bestehende Verträge des Startups verstößt?
  • Wann und wie wird die Transaktion kommuniziert?
  • Wird das Startup nach Übernahme der Mitarbeiter abgewickelt (Asset Deal) und wie werden dessen Gläubiger befriedigt?
  • Wie müssen Wettbewerbsverbote geregelt werden?
  • Wie wird das übernommene Team beim Erwerber integriert?

Ihre Ansprechpartner für die erfolgreiche Umsetzung eines Aquihire:

Unsere eng kooperierenden M&A- und Arbeitsrechtsteams verfügen über langjährige Erfahrungen in zahlreichen Venture Capital Transaktionen sowie bei Managementbeteiligungen (sowohl bei pre-seed Investment Strukturen als auch in later stage Phasen). Durch unsere Full-Service-Ausrichtung sowie langjährige Tätigkeit für mittelständische und internationale Unternehmensgruppen können wir auch die Integration des Teams in ein Industrieunternehmen bzw. einen Konzern effizient begleiten. Sprechen Sie uns gerne an.